Redebeitrag zum Frauenkampftag

Hier für alle, die gestern nicht zur Demo kommen konnten: Unser Redebeitrag zum Nachhören und Nachlesen!

„Es gibt viele innerfeministische Debatten und Differenzen, aber eine Frage bekommen wir alle immer wieder gestellt: warum gerade jetzt Feminismus? Haben wir zur Zeit nicht so viele andere Probleme die wir zuerst in Angriff nehmen müssten? Zur Beantwortung müssen wir nur einen Blick auf unsere derzeitigen Hauptgegner_innen werfen. Trump, Putin, Szidlo und Deutschnationale – Sie alle eint der Antifeminismus. Nehmen wir zum Beispiel Putin: Der Macker regiert Russland seit 18 Jahren und hat letztens das Strafmaß für häusliche Gewalt herunter setzen lassen! Und damit ist unsere Eingangsfrage beantwortet: Frauenrechte und die Rechte der LGBTIQ*-Community sind wie so oft unter den ersten, die den Rechtsruck zu spüren bekommen. In Anbetracht dessen wirkt jede verschenkte Blume zum Weltfrauentag wie ein schlechter Witz. Zum antifaschistischen Kampf gehört ein kämpferischer Feminismus. Denn die Forderungen nach Gleichberechtigung waren nie Luxusprobleme, sondern, und das wird jetzt leider deutlicher denn je, stets existentiell. In Deutschland wird über Angriffe auf Frauenrechte nur gesprochen, wenn sie von vermeintlich anderem kommen und der Bestätigung des eigenen rassistischen Weltbilds dienen. Die Trolle im Internet und auf anderen politischen Bühnen maßen sich an, über unsere Köpfe hinweg eine Scheindebatte über Sicherheit und Migration zu führen! Women of Colour und Geflüchtete werden dabei systematisch aus der Erzählung ausgeschlossen, ihre Belange finden so gut wie nie Eingang in die öffentliche Debatte und natürlich soll der Eindruck entstehen, Deutschland oder überhaupt die „westliche Wertegemeinschaft“ seien schon immer antisexistisch gewesen und müssten auch qua ihres angeblichen Antisexismus „bewahrt“ werden. Dabei ist sie es, die Putin, Szidlo, Trump und Co ermöglicht hat. Die AfD wird wohl nicht trotz ihrer Widerwärtigkeit in den Bundestag kommen, sondern wegen ihrer Widerwärtigkeit. Frauenrechte und damit Menschenrechte dürfen kein Privileg für einige wenige weiße Akademikerinnen bleiben, wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen die keine Ahnung von Feminismus haben uns für ihre Hetze instrumentalisieren, und wir dürfen nicht zulassen, dass ein Großteil der Gesellschaft in aller Gemütlichkeit weiter sexistisch bleiben kann. Umso besser, dass in den letzten Monaten immer mehr Frauen* ihre Anliegen öffentlich gemacht haben. Nun mag man über die Wirkmächtigkeit einer einzelnen, jährlichen, ritualisierten Demonstration streiten, aber jede Demo ist ein Schritt heraus aus der Unsichtbarkeit des privaten Raums und ist eine Möglichkeit des Austauschs und der gegenseitigen Ermutigung. Für uns, die linksjugend [’solid], gehören antikapitalistische und feministische Analyse zusammen. Denn der Kapitalismus verursacht und verschärft vorhandene Herrschaftsverhältnisse. Das heißt aber nicht, dass seine Abschaffung automatisch eine feministische Welt hervorbringen würde – und es deshalb gelte, zuerst und ausschließlich den Kapitalismus zu bekämpfen. Vielmehr muss die linke Bewegung sensibel bleiben für jede Hierarchie und jede Diskriminierung in der Welt und in ihr selbst.

Deswegen sei gesagt:

Eine rein männliche Erste Reihe ist nicht die revolutionäre Speerspitze!“

 

Riot Grrrls strike back – Empowerment gegen den sexistischen Backlash

Wer kennt die Situation nicht? Am Kickertisch in der Kneipe stehen mal wieder nur Typen, die alle mehr oder weniger auf dem gleichen Niveau, ihr Können unter Beweis stellen. Raum um sich auszuprobieren entsteht da meist nur, wenn Frau* ihn sich einfordert.

Wir nehmen den Frauen*kampftag am 8. März zum Anlass, uns diesen Raum zu nehmen! Mit einem Tischkicker-, einem Parcours- und einem DJing-Workshop für Frauen* empowern wir uns selbst.

In den weiteren Workshops wollen wir uns mit den aktuellen Kämpfen für und gegen Frauenrechte in Deutschland, Polen und – mit dem Film „Abortion Democracy“ – auch in Südafrika auseinandersetzen.

Die Workshops finden an unterschiedlichen Orten in Brandenburg statt. Zu den theoretischen Veranstaltungen ist jede*r eingeladen, die praktischen Workshops richten sich an Frauen Lesben Trans Inter* only.

Hier alle Termine:

31. März 16:00 – Parkour-Workshop – Oranienburg

>> Warum sind manche Workshops nur für FLTI*?
Dass Frauen und Männer sich unterschiedlich verhalten, wissen wir nicht erst seit so Langweilern wie Mario Barth. Dieses unterschiedliche Verhalten ist aber nicht, wie die meist männlichen „Comedians“ gern behaupten, unveränderbar angeboren, sondern eine Folge von Sozialisierung. Will heißen: Seit Jahrhunderten wird Jungs beigebracht, nicht über Gefühle zu reden, ehrgeizig zu sein usw.. Mädchen hingegen sollen hübsch sein und nicht aufmucken. Ihnen werden Räume in der Gesellschaft zugewiesen: Männer stehen unter Erfolgsdruck in der Berufswelt, Frauen sind Versagerinnen oder zu egoistisch, wenn sie keinen Mann gefunden und eine Familie gegründet haben. Wer gegen diese Rollenbilder verstößt, gilt jeweils als schwach oder zickig. So ist es schwer, aus dieser Sozialisierung auszubrechen, vor allem gegenüber einer Gruppe. Deshalb ist es für Frauen* manchmal einfacher, etwas zu erlernen oder sich einzubringen, wenn keine männlich sozialisierten Personen anwesend sind. Einen Freiraum nur für FLTI* zu schaffen, kann daher helfen, selbstbewusster in offene Räume zu treten.
Und noch was: Wir schreiben hier von Frauen* – mit Sternchen. Das bedeutet, dass wir anerkennen, dass auch Menschen, die sich schon immer als Frau fühlten, aber nicht als solche anerkannt wurden, ähnliche Diskriminierungserfahrungen machen wie Frauen, die von der Gesellschaft auch für welche gehalten werden. Langfristig wünschen wir uns die Auflösung des zweigeschlechtlichen Denkens, sodass kein Charakter mehr nach Kategorien sortiert und mit Vorurteilen belegt wird.

02. März 19:00 – Rechtsruck und Abtreibungsrecht in Polen

Gespräch mit Aktivistinnen – Potsdam 
Spartacus, Friedrich-Engels-Str. 22
Referentinnen: Alicja von Dziewuchy Dziewuchom Berlin

 

Seit 2015 in Polen die rechtskonservative PiS-Partei an der Macht ist, werden Frauenrechte angegriffen, insbesondere reproduktiver Art, wie das Recht auf Verhütung und Schwangerschaftsabbruch.  Deshalb haben wir Aktivistinnen von Dziewuchy Dziewuchom Berlin eingeladen, um uns und euch über die Situation in Polen zu informieren und darüber zu reden, was zu tun ist gegen reaktionäre Kräfte die unsere sexuelle Selbstbestimmung einschränken wollen.

03. März 19:00 – Einführung Feminismus

Schwedt, 
Mehr-Generationen-Haus, Bahnhofsstraße 11b
Referentin: Claudia Sprengel
Gibt es nicht eigentlich schon Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern? Warum reden wir dann immer noch so oft von Sexismus? Brauchen wir den Feminismus noch oder ist er längst überholt? Was ist das überhaupt? Sind „Mann“ und „Frau“ nicht sowieso nur soziale Konstrukte? Es gibt kaum jemanden, dem diese Fragen egal sind und fast jeder hat eine Meinung dazu und das obwohl sich kaum jemand wirklich darüber informiert was Feminismus eigentlich ist und will. 
Darum wollen wir ein grundlegende Einführung geben was Feminismus ist, wo er her kommt, wie er sich entwickelt hat, was die Grundideen sind. Natürlich wollen wir  auch einfach ein paar Fragen klären und mit Mythen aufräumen. 

07. März 18:00 – Kicker-Workshop

Brandenburg a.d.H., HdO, Magdeburger Str. 15
Wir fordern heraus! Aber um sich beim Kickern durchsetzen zu können, braucht es mehr als ein kurzes Klopfen auf den Spielfeldrand. Wir erklären euch alle Grundregeln und kleine Strategien. Im Haus der Offiziere gibt es mehrere Kickertische, an denen ihr das Erlernte auch gleich üben könnt – bis die Jungs in der Kneipe eines Tages nicht mehr überrascht sind, von einer Frau* geschlagen zu werden!

10. März 19:00 – Abortion Democracy (Film)

Eberswalde, Bürgerbildungszentrum Amadeu Antonio, Puschkinstr. 13

Anschließend Gespräch mit Regisseurin Sarah Diehl
Während Polen seit 1993 dank massiver Einflussnahme durch die Kirche eines der restriktivsten Abtreibungsgesetze hat, gibt es in Südafrika seit 1997 eines der liberalsten Gesetze zum Schwangerschaftsabbrüchen weltweit. Der Film „Abortion Democracy“ vergleicht die politischen, legislativen und gesellschaftlichen Entwicklungen bezüglich des Schwangerschaftsabbruchs in den Ländern Polen und Südafrika. Anhand der jeweiligen Entwicklungen wird sehr deutlich, wie bestimmte Demokratisierungsprozesse die  Wahrnehmung von Frauenrechten bezüglich ihrer Selbstbestimmung und körperlicher  Integrität beeinflussen.
Der Film gibt anhand von Interviews mit Aktivistinnen, Gesundheitspersonal und betroffenen Frauen einen Überblick auf internationale Verhältnisse in Bezug auf den Schwangerschaftsabbruch und stellt die Zugänglichkeit zu sicheren und legalen Abbrüchen in den Kontext von Ökonomie, gesellschaftliche Moralvorstellungen, sozialen Zwängen, Durchsetzung von Bürgerrechten und hinterfragt gesellschaftliche Vorannahmen über die Reproduktionsarbeit von Frauen.
„Abortion Democracy“ ist auf polnisch mit englischen Untertiteln und dauert 51 Minuten. Anschließend haben wir die Gelegenheit, mit der Regisseurin, Sarah Diehl, ins Gespräch zu kommen.

15. März 19:00 – DJ*ane-Workshop

Potsdam, Spartacus, Friedrich-Engels-Str. 22
Wolltest Du schonmal eine Party/ein Konzert organisieren und wusstest nicht, was Du mit dem Tonequipment machen sollst? Hier ist Deine Chance! Du wirst lernen, wie eine kleine PA aufgebaut wird, wie die einzelnen Geräte benutzt werden, wie Kabel und Stecker heißen und dass es vielleicht auch nicht so wichtig ist mit Fachbegriffen um sich werfen zu können. Der Workshop richtet sich an Leute, die bisher noch keine oder wenig Erfahrungen haben.
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Did you ever want to organize a party/concert and did not know how to use the sound equipment? Here is your opportunity! You will learn how to set up a small pa, how to use the different devices, specific names of cables and plugs and that the goal is not to impress with technical terms. The workshop is for people who don’t have any experience.
For FLTI* only!

21. März 18:00 – Zum Antifeminismus der Neuen Rechten und Gegenstrategien

Brandenburg a.d.H., Haus der Offiziere, Magdeburger Str. 15

Referentin: Tanja Zorn  (Interventionistische Linke Berlin)

Die AFD war schon antifeministisch, bevor sie hemmungslos rassistisch wurde. Damit zeigt sich ein zentrales ideologisches Moment, das sowohl die Neue, konservative, als auch die extreme Rechte eint. Die Keimzelle ihrer nationalen und kulturellen Identität stellt die traditionelle, heterosexuelle Kleinfamilie dar, allen anderen Lebensentwürfen wird häufig die Berechtigung abgesprochen. Besonders der Queerfeminismus wird dadurch zur Angriffsfläche, da er vielfältige Familien- und Lebenskonzepte entwirft und an tradierten Vorstellungen rüttelt. Seit ihrer Gründung kämpft die AFD gegen „Genderismus“, „Frühsexualisierung“ und allgemein gegen emanzipatorische Errungenschaften. Zudem pflegt sie gute Kontakte in das Milieu der christlichen Rechten. Trotz der wesentlichen Bedeutung des Antifeminismus für die Neue Rechte wird sich von linker Seite hauptsächlich an ihrem Rassismus abgearbeitet und selten feministische Perspektiven im Kampf gegen sie eingebracht. Dabei bietet gerade diese Auseinandersetzung Potentiale zu feministischem Widerstand und neuen feministischen Allianzen.

Unsere Antwort: Feminismus!

31. März 16:00 – Parkour – Oranienburg Treffpunkt: Bahnhof

Wege gibt es nicht nur da, wo der Bebauungsplan sie vorsieht! Bei Parkour könnt ihr lernen, kleine und größere Hindernisse in der Stadt zu überwinden, ohne euch gleich irgendwas zu brechen. Egal ob ihr eure Angst vor Bewegung verlieren, beim nächsten Naziaufmarsch schneller zur Route kommen oder Urban Ninjas werden wollt – macht mit und empowert euch selbst! Parkour ist eine Bewegungskunst, bei denen Frauen* kaum präsent sind. Das muss nicht sein. Der Kurs soll einen kleinen Einblick für Anfängerinnen bieten. Er findet draußen statt, also zieht euch warm, aber bequem an.

Anmeldung XX. LMV

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