Archiv der Kategorie: ALLGEMEIN

PM: Innenminister untragbar für Rot – Rot!

Nach dem Willen des Brandenburger Innenministers sollen Menschen ohne humanitäre Prüfung abgeschoben werden, nur damit eine vollkommen konstruierte Quote von 1997 erfüllt wird. „Der Herr Innenminister sollte sich dringend mal mit den Realitäten und menschlichen Katastrophen seines populistischen Handelns beschäftigen.“, empört sich Janina Kröplin vom Landessprecher_innenrat der linksjugend [’solid] Brandenburg.

„Nicht nur, dass Schröter scheinbar immer noch nicht verstanden hat, dass Afghanistan einfach nicht sicher ist. Mit der Forderung nach Erfüllung von Abschiebequoten macht er aus Asylsuchenden Nummern. Das hat nichts mit der humanistischen Geflüchteten- und Sozialpolitik zu tun, die die SPD im aktuellen Schulzhype vor sich herträgt.“, erklärt Janina Kröplin weiter.

„Nach der Wiedereinführung von Wasserwerfern, der Diskreditierung antifaschistischer Proteste, dem absoluten Versagen bei der Aufklärung des NSU-Skandal und mit seiner von der CDU beklatschten Law-and-Order-Politik hat der Innenminister nun endgültig den Bogen überspannt.“ schließt Jürgen Engert, ebenfalls Mitglied des Landessprecher_innenrats der linksjugend [’solid] Brandenburg. „Schröter hat sofort den Platz zu räumen. Und die SPD tut gut daran, ihn anschließend auch noch hochkant raus zu schmeißen. Leider zeigt nicht nur das Beispiel Sarrazin, dass die SPD aus ihrer Geschichte viel zu wenig lernt.“

Redebeitrag zum Frauenkampftag

Hier für alle, die gestern nicht zur Demo kommen konnten: Unser Redebeitrag zum Nachhören und Nachlesen!

„Es gibt viele innerfeministische Debatten und Differenzen, aber eine Frage bekommen wir alle immer wieder gestellt: warum gerade jetzt Feminismus? Haben wir zur Zeit nicht so viele andere Probleme die wir zuerst in Angriff nehmen müssten? Zur Beantwortung müssen wir nur einen Blick auf unsere derzeitigen Hauptgegner_innen werfen. Trump, Putin, Szidlo und Deutschnationale – Sie alle eint der Antifeminismus. Nehmen wir zum Beispiel Putin: Der Macker regiert Russland seit 18 Jahren und hat letztens das Strafmaß für häusliche Gewalt herunter setzen lassen! Und damit ist unsere Eingangsfrage beantwortet: Frauenrechte und die Rechte der LGBTIQ*-Community sind wie so oft unter den ersten, die den Rechtsruck zu spüren bekommen. In Anbetracht dessen wirkt jede verschenkte Blume zum Weltfrauentag wie ein schlechter Witz. Zum antifaschistischen Kampf gehört ein kämpferischer Feminismus. Denn die Forderungen nach Gleichberechtigung waren nie Luxusprobleme, sondern, und das wird jetzt leider deutlicher denn je, stets existentiell. In Deutschland wird über Angriffe auf Frauenrechte nur gesprochen, wenn sie von vermeintlich anderem kommen und der Bestätigung des eigenen rassistischen Weltbilds dienen. Die Trolle im Internet und auf anderen politischen Bühnen maßen sich an, über unsere Köpfe hinweg eine Scheindebatte über Sicherheit und Migration zu führen! Women of Colour und Geflüchtete werden dabei systematisch aus der Erzählung ausgeschlossen, ihre Belange finden so gut wie nie Eingang in die öffentliche Debatte und natürlich soll der Eindruck entstehen, Deutschland oder überhaupt die „westliche Wertegemeinschaft“ seien schon immer antisexistisch gewesen und müssten auch qua ihres angeblichen Antisexismus „bewahrt“ werden. Dabei ist sie es, die Putin, Szidlo, Trump und Co ermöglicht hat. Die AfD wird wohl nicht trotz ihrer Widerwärtigkeit in den Bundestag kommen, sondern wegen ihrer Widerwärtigkeit. Frauenrechte und damit Menschenrechte dürfen kein Privileg für einige wenige weiße Akademikerinnen bleiben, wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen die keine Ahnung von Feminismus haben uns für ihre Hetze instrumentalisieren, und wir dürfen nicht zulassen, dass ein Großteil der Gesellschaft in aller Gemütlichkeit weiter sexistisch bleiben kann. Umso besser, dass in den letzten Monaten immer mehr Frauen* ihre Anliegen öffentlich gemacht haben. Nun mag man über die Wirkmächtigkeit einer einzelnen, jährlichen, ritualisierten Demonstration streiten, aber jede Demo ist ein Schritt heraus aus der Unsichtbarkeit des privaten Raums und ist eine Möglichkeit des Austauschs und der gegenseitigen Ermutigung. Für uns, die linksjugend [’solid], gehören antikapitalistische und feministische Analyse zusammen. Denn der Kapitalismus verursacht und verschärft vorhandene Herrschaftsverhältnisse. Das heißt aber nicht, dass seine Abschaffung automatisch eine feministische Welt hervorbringen würde – und es deshalb gelte, zuerst und ausschließlich den Kapitalismus zu bekämpfen. Vielmehr muss die linke Bewegung sensibel bleiben für jede Hierarchie und jede Diskriminierung in der Welt und in ihr selbst.

Deswegen sei gesagt:

Eine rein männliche Erste Reihe ist nicht die revolutionäre Speerspitze!“

 

Riot Grrrls strike back – Empowerment gegen den sexistischen Backlash

Wer kennt die Situation nicht? Am Kickertisch in der Kneipe stehen mal wieder nur Typen, die alle mehr oder weniger auf dem gleichen Niveau, ihr Können unter Beweis stellen. Raum um sich auszuprobieren entsteht da meist nur, wenn Frau* ihn sich einfordert.

Wir nehmen den Frauen*kampftag am 8. März zum Anlass, uns diesen Raum zu nehmen! Mit einem Tischkicker-, einem Parcours- und einem DJing-Workshop für Frauen* empowern wir uns selbst.

In den weiteren Workshops wollen wir uns mit den aktuellen Kämpfen für und gegen Frauenrechte in Deutschland, Polen und – mit dem Film „Abortion Democracy“ – auch in Südafrika auseinandersetzen.

Die Workshops finden an unterschiedlichen Orten in Brandenburg statt. Zu den theoretischen Veranstaltungen ist jede*r eingeladen, die praktischen Workshops richten sich an Frauen Lesben Trans Inter* only.

Hier alle Termine:

31. März 16:00 – Parkour-Workshop – Oranienburg

>> Warum sind manche Workshops nur für FLTI*?
Dass Frauen und Männer sich unterschiedlich verhalten, wissen wir nicht erst seit so Langweilern wie Mario Barth. Dieses unterschiedliche Verhalten ist aber nicht, wie die meist männlichen „Comedians“ gern behaupten, unveränderbar angeboren, sondern eine Folge von Sozialisierung. Will heißen: Seit Jahrhunderten wird Jungs beigebracht, nicht über Gefühle zu reden, ehrgeizig zu sein usw.. Mädchen hingegen sollen hübsch sein und nicht aufmucken. Ihnen werden Räume in der Gesellschaft zugewiesen: Männer stehen unter Erfolgsdruck in der Berufswelt, Frauen sind Versagerinnen oder zu egoistisch, wenn sie keinen Mann gefunden und eine Familie gegründet haben. Wer gegen diese Rollenbilder verstößt, gilt jeweils als schwach oder zickig. So ist es schwer, aus dieser Sozialisierung auszubrechen, vor allem gegenüber einer Gruppe. Deshalb ist es für Frauen* manchmal einfacher, etwas zu erlernen oder sich einzubringen, wenn keine männlich sozialisierten Personen anwesend sind. Einen Freiraum nur für FLTI* zu schaffen, kann daher helfen, selbstbewusster in offene Räume zu treten.
Und noch was: Wir schreiben hier von Frauen* – mit Sternchen. Das bedeutet, dass wir anerkennen, dass auch Menschen, die sich schon immer als Frau fühlten, aber nicht als solche anerkannt wurden, ähnliche Diskriminierungserfahrungen machen wie Frauen, die von der Gesellschaft auch für welche gehalten werden. Langfristig wünschen wir uns die Auflösung des zweigeschlechtlichen Denkens, sodass kein Charakter mehr nach Kategorien sortiert und mit Vorurteilen belegt wird.

XX. Landesmitgliederversammlung

Liebe Aktive,
liebe Sympis der Linksjugend [’solid] Brandenburg,

auch im neuen Jahr 2017 geht’s hoch her: die 20. Landesmitgliederversammlung und der 10-jährige Geburtstag stehen an!

Heißt genau was?
Der Landessprecher_innerat hat auf seiner Sitzung am 19.11.2016 die 20. Landesmitgliederversammlung in Brandenburg an der Havel beschlossen. Das Ganze findet am Samstag, 11. Februar 2017, im Haus der Offiziere / Magdeburger Str. 15 / 14770 Brandenburg an der Havel statt. Im Anschluss wird dann die große 10 Jahre Linksjugend [’solid] Brandenburg Geburtstags-GALA gestartet. Wie genau die aussieht, wird aber noch nicht verraten!

Neben jeder Menge Wahlen und anschließender Feierei soll es aber vor allem um unsere gemeinsame politische Positionierung und unsere Projekte für das beginnende Jahr gehen. Egal, ob in der Auseinandersetzung mit dem neonazistischen, rassistischen Mob, der immernoch durch Deutschland tobt, in der Aufdeckung und Skandalisierung der Verwicklung von Verfassungsschutz und Co. in den NSU-Skandal, oder aber in der praktischen Solidarität mit Flüchtlingen: antifaschistische und sozialistische Politik ist nicht zuletzt aufgrund dieser gesellschaftlichen Auseinandersetzungen mehr als notwendig und hoch aktuell. Auch für den Austausch darüber, wie wir uns zu diesen als landesweit agierender Jugendverband verhalten wollen, möchten wir uns auf der LMV Zeit nehmen.
Wenn ihr weitere Anregungen zur Landesmitgliederversammlung habt, selbst für unsere zu wählenden Gremien kandidieren wollt, inhaltliche Positionierungs – und/oder Projektanträge habt, ihr euch anmelden oder aber den Ablauf der LMV in den diversen Kommissionen (Tagesleitung, Wahlkommission etc.) unterstützen möchtet, meldet euch einfach unter: info@linksjugend-solid-brandenburg.de

Wie immer erstatten wir eure Anfahrtskosten zur Landesmitgliederversammlung und ist die
gesamte Versorgung und Übernachtung auf der LMV kostenfrei.

Euer Landessprecher_innenrat

P.S.: Falls ihr nach der Gala in Branne übernachten wollt, meldet euch bitte FRÜHZEITIG über mitkämpfen.de oder per Mail an.!

Tagesordnung:
Samstag, 11. Februar 2016
11:00 Eröffnung der Landesmitgliederversammlung, Formalia
11:10 Bericht LSPR, Ortsgruppen, Bundesebene, LAK’s, Finanzrevisionskommission
11:30 Entlastung des LSPR
11:45 Wahl LSPR
13:00 Mittagessen/Pause
14:00 Wahl Länderratsdelegierte
14:30 Wahl Finanzerevisionskommission
15:00 Wahl Landesschiedskommission
15:30 Wahl Bundeskongressdelegierte
16:00 Wahl Länderratsdelegierte
16:30 Anträge inkl. Sätzungsänderungsanträgen
17:00 Aufräumen und anschließend: 10 Jahre Linksjugend [’solid] Brandenburg DIE GALA

Da türmt doch glatt der Fraktionschef – Linksjugend genervt von Ralf Christoffers Fürsprache für die Garnisonkirche

Wie den Medien zu entnehmen ist, sind Teile der Partei DIE LINKE für den Wiederaufbau der Garnisonkirche offen. Die Linksjugend [’solid] Brandenburg bleibt dabei: die Garnisonkirche wieder aufzubauen wäre ein (stolze 88 Meter!) großer Fehler.

Wiederholt seien dabei zwei Argumente:
Erstens ist es äußerst unwahrscheinlich, dass die Kirche genutzt wird. In Brandenburg erklären sich nämlich nur ca. 20 % der Bevölkerung einer christlichen Religion zugehörig und die Zahl der Kirchengänger_innen sinkt seit Jahren. Es gibt also gar keinen Bedarf an neuen Kirchen.

Vor allem gibt es aber – zweitens – definitiv keinen Bedarf an einer Militärkirche. „Von einer selbst erklärten Friedenspartei wie der LINKEN muss, gerade in Zeiten der Aufrüstung, ein kritischer Blick und ein klares Signal erwartet werden.“ sagt Tina Lange vom Landessprecher_innenrat der Linksjugend [’solid] und erklärt: „Dass sich die Fraktionsspitze vollkommen grund- und argumentationslos über Beschlüsse der Partei vor Ort und über den erklärten Willen eines Großteils ihrer eigenen Wähler_innenschaft in Potsdam hinwegsetzt, spricht nicht für ihre politische Vertretungskompetenz.“
Hinzu kommt, dass der Wiederaufbau der Kirche aus privaten Spendenmitteln bis heute nicht mal im Ansatz realisiert wurde. Vermutlich wird auch nie mehr als eine Bauruine entstehen, außer die öffentliche Hand (Bund, Land und Stadt) gibt weitere immense Mittel in dieses Projekt. Und das trotz eines erfolgreichen Bürgerbegehrens gegen die Garnisonkirche.

„Egal welches Konzept auf den Tisch gelegt wird: Ein Wiederaufbau ist ein Wiederaufbau und aus einer Militärkirche kann man keine Friedenskirche zaubern.“ fügt Iris Burdinski, ebenfalls Mitglied im Landessprecher_innenrat, hinzu. Es ist für die Linksjugend [’solid] Brandenburg absolut nicht nachvollziehbar, warum sich ausgerechnet die Fraktion DIE LINKE zum Steigbügelhalter erzkonservativer Militarisierungsfans machen will. Es kann und darf keine Versöhnung mit dem deutschen Faschismus, dessen Symbol auch diese Kirche ist, geben.

Die Linksjugend [’solid] Brandenburg ist und bleibt daher solidarisch mit der Bürgerinitiative Potsdam Ohne Garnisonkirche und verweist auf deren hervorragend recherchierte Argumente.

Stellenausschreibung: Jugendkampagnenkoordinator_in

Der Landessprecher_innenrat (LSpR) der Linksjugend [’solid] Brandenburg sucht zum 01. März 2017 eine_n Mitarbeiter_in für die Koordinierung der Kampagne des Verbandes zur Bundestagswahl 2017.
Bewerber_innen sollten sich mit den politischen Zielen der Linksjugend [’solid] identifizieren. Der Arbeitsort ist Potsdam; eine sachbezogene Einarbeitung wird garantiert.

Wir bieten Dir bis zum 31. Oktober 2017 eine befristete Stelle mit einer Arbeitszeit von durchschnittlich 10 Stunden pro Woche unter flexibler Einteilung der Arbeitszeit in Absprache mit dem LSpR. Die Vergütung beträgt 450,00 € im Monat auf Minijobbasis. Wir sind offen für Verhandlungen bezüglich der Form der Vertragsausgestaltung. Urlaub wird gemäß Bundesurlaubsgesetz gewährt, in den Monaten August und September wird ein Urlaubsanspruch jedoch ausgeschlossen.

Die Stelle des_r Jugendkampagnenkoordinator_in umfasst im Wesentlichen folgende Aufgaben:
 
1. Unterstützung der Landessprecher_innenrates  und des Kampagnenrates bei der Planung und Durchführung der Jugendkampagne zur Bundestagswahl
– enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Landessprecher_innenrat und regelmäßige Teilnahme an dessen Sitzungen
– Koordination, Vor- und Nachbereitung und Begleitung der Sitzungen des Kampagnenrates
– Koordination, Vorbereitung, Bewerbung und Begleitung der geplanten Hochschultour im Ende Juni/ Anfang Juli, insbesondere Veranstaltungsorganisation
– Koordination, Vorbereitung, Bewerbung und Begleitung der Hauptkampagne Ende August und im September, insbesondere Veranstaltungsorganisation

2. Verantwortliche Betreuung der Öffentlichkeitsarbeit
– Redaktions- und Produktionsorganisation etwaiger Materialien
– Ausschreibung und Einholung von Druck- und Produktionsaufträgen
– Koordination der Materialverteilung gegenüber den Basisgruppen, den Mitgliedern und den Gliederungen der Partei DIE LINKE
– Begleitung der Presseöffentlichkeitsarbeit des Landessprecher_innenrates
– Betreuung der Homepage und der Social-Media-Aufritte, sowie Entwicklung von Inhalten
 
3. Nachbereitung der Kampagne
– Abrechung der Ausgaben in Zusammenarbeit mit dem Landessprecher_innenrat
– schriftliche Auswertung der Kampagne
– Vorbereitung eines Workshopwochenendes nach der Bundestagswahl zur Anbidung von neuen Mitgliedern und Gruppen

Von der/m Bewerber_in erwarten wir:
– die Fähigkeit, sich schnell in Arbeitsabläufe einzuarbeiten
– die Fähigkeit, sich mündlich und schriftlich präzise und verständlich auszudrücken
– die Beherrschung moderner Informations- und Kommunikationstechniken
– einen transparenten, kommunikativen und teamorientierten Arbeitsstil
– Beherrschung von Standard-Office-Anwendungen
– Bereitschaft zur Arbeit mit Content-Management-Systemen für Webseiten
– Kenntnisse im Umgang mit Social-Media-Plattformen (insb. Facebook und Twitter)
– Selbständige, gegenüber dem Landessprecher_innenrat weisungsgebundene Arbeitsweise
– Führerschein der Klasse B von Vorteil

Hinweis: Die Arbeit erfolgt gemeinsam im Team mit unserem Landesgeschäftsführer, der ebenfalls stundenweise mit Aufgaben der Jugendwahlkampfkoordination betraut ist.

Migrant_innen, Frauen* sowie Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen werden bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt.

Bewerbungen inklusive Motivationsschreiben, tabellarischem Lebenslauf und ggf. Referenzen können bis 27. Januar 2017 an konstantin.graefe@web.de oder postalisch an: Linksjugend [’solid] Brandenburg, Alleestraße 3 in 14469 Potsdam geschickt werden.

Für Rückfragen steht Konstantin Gräfe unter 0151/56319531 zur Verfügung.

Freier Mensch, erinnere dich. Redebeitrag der Linksjugend [’solid] Brandenburg

„Homme libre, souviens toi. – Freier Mensch, erinnere dich.“, so steht es auf dem Monument für die Geflüchteten der Retirada in Argeles-sur-Mer. Wir entdeckten ihn, als wir während unserer Jugendbildungsreise, die wir vor einigen Wochen in Gedenken an den Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges und der Gründung der Internationalen Brigaden durchführten, den Strand von Argeles-sur-Mer besuchten. Hier wurden im Februar 1939 hunderttausende Verteidiger_innen der Republik, Spanier_innen wie auch Interbrigadist_innen, während der Retirada, also der Massenflucht aus den letzten Resten der republikanischhen Zone vor den Truppen Francos nachdem die katalonische Front de facto zusammengebrochen war, interniert. Genaue Zahlen, wie viele Menschen am Strand von Argeles interniert wurden, wie viele von ihnen starben, fehlen. Nur eins ist klar: es müssen sehr sehr viele gewesen sein. Die Verhältnisse waren miserabel. In den ersten Wochen und Monaten gab es nicht einmal Baracken. Die Geflüchteten gruben sich in den Sand ein um wenigstens ein bisschen vor der Kälte geschützt zu sein. Viele erfroren, starben an Krankheiten und verdursteten, da sie aus Mangel an ordentlichem Trinkwasser, Wasser aus dem Meer tranken. Nach der militärischen Niederlage gegen das nationalsozialistische Deutschland landeten viele der Internierten in den Konzentrationslagern der Nazis, vor allem in Mauthausen.

Heute erinnert nur noch ein Gedenkstein auf dem sogenannten Spanischen Friedhof auf dem ein Teil der Toten beerdigt wurde, an die das Internierungslager und an jene, die auf der Flucht vor Francos Truppen hier interniert wurden und starben. Und eben jenes Monument am Strand von Argeles, mit dem Spruch: Freier Mensch, erinnere dich.“ Dieser Spruch ist für uns Mahnung, Hoffnungsspender und Aufforderung zu gleich.

Er mahnt uns, jene zu ehren, die vor 80 Jahren ihr Leben für die Verteidigung der Demokratie gaben. Jene, die vor 80 Jahren aus der ganzen Welt dem Ruf folgten und sich den Internationalen Brigaden und anderen Verbänden anschlossen. Jene, die ihren Tod auf den Schlachtfeldern Spaniens fanden und jene, die nachdem der Krieg verloren war, in den Internierungslagern Frankreichs an den miserablen Bedingungen starben. An jene, die nach den Entbehrungen der Flucht, in die Hände der Nazis fielen und von Ihnen verschleppt, gefoltert und ermordet wurden. Aber auch jene, die überlebten, als Widerstandskämper_innen in der Resistance, als Freiwillige in den Alliierten Armeen oder als Überlebende der faschistischen Verbrechen.

Aber dieser Spruch spendet auch Hoffnung. Hoffnung in der Erinnerung daran, dass eine Gegenwehr gegen den Faschismus möglich ist, dass wir im Angesicht eines neuerlichen Erstarkens revisionistischer Kräfte nicht zur Untätigkeit verdammt sind, sondern dass wir immer die Möglichkeit haben, aktiv zu werden und für Freiheit und Gerechtigkeit zu kämpfen. Auch wenn uns die jüngsten Nachrichten, die Wahlerfolge der Rechten in aller Welt, und die neuerlichen Verschärfungen des Asylrechts resignieren lassen möchten, uns eventuell sogar zur Verzweiflung treiben, beweisen die Taten jener meist jungen Männer und Frauen doch, dass Gegenwehr möglich ist. Dass sogar in solch einer Situation, in welcher sich die Spanische Republik im Juli 1936 befand, spontane, grenzenlose Solidarität möglich ist. Dass zu einem Zeitpunkt, als der Faschismus vor seinem weltweiten Siegeszug zu stehen schien, eine internationale antifaschistische Bewegung hervortrat, die getragen von ganz unterschiedlichen Personen und Organisationen, und zugegeben leidlich oft zerstritten, ganz praktische Solidarität übte. Indem sie Spenden sammelte, Pakete mit Waren und Waffen verschickte oder sich selbst zum Kampf nach Spanien aufmachte. Sicher zur Wahrheit gehört, dass der Kampf am Ende verloren wurde. Dass der bitteren Gewissheit über den Sieg des Franquismus, der Überfall auf Polen am 01. September des gleichen Jahres folgte. Aber trotz alledem, trotz der Niederlage und dem was noch folgen sollte, ist die Art und der Umfang der internationalen Solidarität nicht nur beispielgebend, nein, diese grenzenlose Solidarität gibt uns die Hoffnung, die wir brauchen, um im Angesicht einer sich verdunkelnden Welt für die anstehenden Kämpfe gewappnet zu sein!

Und letztlich ist dieser Spruch „Freier Mensch, erinnere dich.“ auch die Aufforderung an uns alle, unsere fragile Freiheit jeden Tag zu verteidigen und uns gegen den aufkommenden Faschismus aufzubäumen. Viele haben bereits erkannt, wie bedrohlich die Lage ist. Aber sie kämpfen viel zu vereinzelt, vielfach unvernetzt an ihrem Ort. Wir glauben, dass der antifaschistische Kampf international gedacht werden muss, so wie der Spanische Bürgerkrieg keine Privatangelegenheit der Spanier_innen war. Aber heute verhalten sich viele Aktive, als wäre die AfD ein Phänomen in ihrem Kreistag und kein Symptom einer weltweiten Mobilisierung von rechts. Effektiv aufhalten können wir den Faschismus aber nur zusammen. Dazu ruft uns die Erinnerung an die Spanienkämpfer_innen auf. Das ist das Erbe, das wir zu leben haben.

Redebeitrag zur Gedenkdemonstration für die Opfer der Pogromnacht und der Shoah in Oranienburg am 09.11.16

Als Ort, an dem 1933 die SA das erste Konzentrationslager einrichtete, um politische  Gegner_innen der Nazis loszuwerden, als Ort, an dem parallel zu Hitlers olympischen Propagandaspielen 1936 in Berlin gleichzeitig vor den Toren der Stadt Sachsenhausen aufgebaut wurde und als Ort, an dem nicht nur die Wachmänner von Auschwitz ausgebildet, sondern auch die gesamte Struktur der Konzentrations – und Vernichtungslager der Nazis organisiert wurde, ist es hier umso wichtiger, sich mit dem Nationalsozialismus aber auch mit Rassismus, Antisemitismus  und andere Diskriminierungsformen auseinander zu setzen und tagtäglich gegen sie vorzugehen. Gedenken heißt nämlich nicht nur zu bestimmten historischen Anlässen zu schweigen und sich der Getöteten zu erinnern, sondern es heißt auch, Rückschlüsse auf unsere Handlungen in der Gegenwart zu ziehen. Darum soll es in diesem Redebeitrag des Landessprecher_innenrates der Linksjugend [’solid] Brandenburg gehen.

Der Ort für diesen Redebeitrag ist dabei ganz bewusst gewählt. Nicht nur, weil hier am Bahnhof eine Vielzahl der KZ- Inhaftierten Sachsenhausens ankam, um anschließend durch die Stadt ins Konzentrationslager getrieben zu werden. Nachdem der Bahnhof Oranienburg in der 1930er Jahren ausgebaut worden war, stieg zudem die wirtschaftliche Relevanz Oranienburgs. Die Bombardierung der Stadt durch die Alliierten im März 1945, geschah somit, weil sich hier wesentliche Rüstungs – und Chemieunternehmen angesiedelt hatten. Vor diesem Hintergrund scheint es umso absurder, dass Neonazis beispielsweise den Jahrestag der Bombardierung oder aber den Fund von Weltkriegsbomben dazu nutzen, die Mär einer Oranienburger Bevölkerung, die nur aus Zivilist_innen bestand und natürlich überhaupt gar nichts von den Konzentrationslagern wusste, fortzuführen.

Und heute? Heute ist der Bahnhof Oranienburg tagsüber ein Ort für Berufspendler_innen und Tourist_innen geworden. Mehrere 100.000 Besucher_innen besichtigen jedes Jahr die Gedenkstätte und prägen somit auch das Stadtbild. Zumindest sie sind damit omnipräsent. Doch auch diese vermeintliche Gegenwart der Gedenkstätte im Alltag, sowie die Arbeit der Gedenkstättenmitarbeiter_innen reichen mitnichten aus, um den Neonazis vor Ort Einhalt zu gebieten.

Und so ist Oranienburg für viele hier links politisierte Jugendliche eben auch der Ort einer aktiven Neonaziszene. Eine ehemalige Oranienburgerin aus unserem Landesverband schilderte ihre Erfahrungen wie folgt: „Einige Zeit vor der Landesgartenschau, als der Schlosspark noch offen gewesen ist, trafen wir uns dort regelmäßig. Jedes Mal, wenn ich mit dem Fahrrad durch das Tor hineinfuhr, hielt ich die Luft an und hoffte, dass die örtliche Neonaziszene, die sich immer am Tor postierte um zu gucken wer in den Schlosspark fährt, mich ohne Probleme passieren lässt. Später wechselten die örtlichen Neonazitreffpunkte, aber sie waren immer präsent in Kneipen und Cafés, am Bahnhof, am Lehnitzsee, einfach überall. Wen wundert es da, dass sich Michael Regner aka „Lunikoff“ von der Neonaziband Landser in Oranienburg zurückziehen konnte, als er aus dem Knast kam?“

Als zu Beginn der 90er Jahre in ganz Deutschland rassistische Anschläge auf Geflüchtete und deren Unterkünfte verübt wurden, wurde auch Oranienburg zum Tatort von Neonazis. So zündeten 1992 Neonazis jene Baracke an, in der zu NS-Zeiten vor allem Menschen aufgrund ihrer jüdischen Herkunft eingesperrt wurden. Diese Baracke dient heute als Mahnmal im Mahnmal, gegen den alten und neuen Faschismus. Im selben Jahr, am 18.12.1992 wurde in Oranienburg außerdem Hans-Jochen Lommatzsch von Neonazis ermordet.

Mit dem erneuten Erstarken rechter Strukturen, den zunehmenden Übergriffen auf Geflüchtete und offen artikuliertem Rassismus von AfD, Pegida und Co. treten auch die Neonazis Oranienburgs und seiner Umgebung wieder organisiert in der Öffentlichkeit in Erscheinung.

Seit Monaten macht sich nun eine bedenklich hohe Anzahl der Einwohner_innen Oranienburgs zum Fußvolk der aktiven Neonaziszene und spaziert als sogenannte „besorgte Bürger“ durch den Abend – Nationalismus und Rassismus fallen hier schon lange auf guten Nährboden und liefern den schallenden Applaus für jede Verschlechterung der Situation geflüchteter Menschen in Deutschland. Gegen aufklärerische Argumente sind die heutigen besorgten Bürger ebenso immun, wie gegen den Eindruck der Verbrechen, die hier im Namen ihrer Ideologie in der Vergangenheit begangen wurden. Antisemitismus ist daher keine Vergangenheit, sondern geschichtliche Kontinuität.

Als Joachim Gauk letztes Jahr hier gewesen ist, betonte er wie wichtig der Widerstand gegen den Faschismus sei. Aber Die Prügelattacken der Polizei am vergangenen Samstag gegen Antifaschist*innen in Berlin haben wieder einmal bewiesen, dass auf den Staat kein Verlass ist, wenn es um die tatsächliche Verteidigung gegen Faschismus geht. Jede und jeder von uns ist daher gefragt, sich den Neonazis und Rassist_innen in den Weg zu stellen, egal ob im Alltag oder im Rahmen von Demonstrationen. Bei dem derzeitigen, ungehinderten Aufstieg des Rechtspopulismus, liegt die Vermutung nicht fern, dass die nächste Progromnacht schon bald wieder staatlich organisiert sein könnte. Es bringt eben nichts, den König um Rat zu fragen. Es gilt, den irren Verhältnissen selbst den Kampf anzusagen.

Wir sind froh, dass es heute diese Demonstration gibt, in dieser Stadt, die allzu oft Schauplatz unerfreulicherer Versammlungen war.

Kein Platz für Nazis – Nicht in Oranienburg, nicht in Brandenburg, Nirgendwo!

Antifaschistische Jugendbildungsreise: 80 Jahre Gründung der Internationalen Brigaden

In diesem Jahr jährt sich der Beginn des Spanischen Bürgerkriegs sowie die Gründung der Internationalen Brigaden zum 80. Mal. Dieses historische Ereignis ist für uns ein Symbol der internationalen Solidarität und des vereinten Kampfes gegen den Faschismus. Der Geschichte dieses Krieges wollen wir uns in einem einwöchigen Seminar in Barcelona und Katalonien vorsichtig nähern und gemeinsam auf Spurensuche gehen. Wir wollen die Wege, Handlungen und Entscheidungen der Spanienkämpfer*innen nachzeichnen, diskutieren und ihrer Sache gedenken. Welche Ziele und Überlegungen führten so viele freiwillige Kämpfer*innen aus aller Welt nach Spanien, um den Kampf gegen die Putschisten unter General Francisco Franco aufzunehmen? Welche Rolle spielten die vielen unterschiedlichen Fraktionen, die auf der Seite der spanischen Republik kämpften? Anhand von historischen Quellen, Biographien und Zeitzeugenberichten werden wir uns an den Orten des Geschehens weiterbilden. Wir wollen die Zeit aber auch nutzen, um unsere Spanischen Genossinnen kennenzulernen und uns mit der zeitgenössischen Kultur vertraut zu machen. Auch die spanische Gedenkkultur soll ein Thema sein.

Alle Infos und die Anmeldung gibt es unter: www.aufnachspanien.org

PM: Aus dem NSU nichts gelernt! – Statt Aufklärung mehr Verfassungsschutz

 

Potsdam, den 08.06.2016
Während der heutigen Sitzung des Brandenburger Landtages kündigte Innenminister Schröter an, mehr Stellen beim Verfassungsschutz schaffen zu wollen. Aus Sicht der Linksjugend [’solid] Brandenburg ist dies ein absolut unverständlicher Schritt und ein Schlag ins Gesicht für all diejenigen, die sich seit Jahren für mehr Demokratie und Toleranz engagieren. PM: Aus dem NSU nichts gelernt! – Statt Aufklärung mehr Verfassungsschutz weiterlesen